In der Mütterwerkstatt vom Februar 2008 schlug Csilla Hohendorf vor, ein Manifest von Müttern behinderter Kinder zu schreiben und damit andere Mütter im Bundesverband und darüber hinaus anzusprechen und zum Austausch untereinander anzuregen. Damit war der Anfang gemacht. In den folgenden Treffen und über die Mailingliste entstand das Manifest Mütter.
An Rückmeldungen zum Manifest sind wir sehr interessiert. Wir freuen uns über Kommentare, Ermunterung und Kritik.
Manifest Mütter behinderter Kinder
Ein Leben mit Behinderung ist eine besondere Aufgabe. Gesellschaftliche und politische Wertschätzung und Unterstützung sind die Voraussetzung dafür, ein Kind mit Behinderung groß zu ziehen.
Die Lebenserhaltung, Pflege, Förderung, Erziehung und der Schutz unserer Kinder mit Behinderung darf von der Gesellschaft und der Politik nicht als selbstverständlich und als alleinige Angelegenheit der Mütter und Familien angesehen werden. Wir möchten unsere Gesellschaft als eine solidarische Gemeinschaft erfahren, als eine Gesellschaft, die gerade dadurch lebt, dass Menschen der Gemeinschaft bedürfen. Dazu gehören besonders auch Menschen mit Behinderung und ihre Familien.
- Mütter stärkt Euch! Lebt mit Euren behinderten Kindern und Familien, nicht nur für sie. Schaut auf Eure Bedürfnisse und sucht Wege zur Selbstbestimmung auch für Euch. Bleibt gesund! Eure körperliche und psychische Gesundheit ist ebenso wichtig für Euch selbst wie auch für Eure Kinder.
- Mütter seid mutig, Euer Leben mit allen Herausforderungen und Schwierigkeiten zu meistern! Ihr gebt viel für Eure behinderten Kinder in allen Lebensphasen. Gebt Ihnen auch die Chance eines eigenständigen Lebens, wenn sie erwachsen sind. Mütter sind nicht die Kümmerer bis ins hohe Alter für ihre Töchter und Söhne mit Behinderung.
- Gesellschaft, sei offen! Wir brauchen ein Klima, in dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung willkommen sind und Besonderheiten ihrer Lebenssituation wie die ihrer Familien uneingeschränkt angenommen und unterstützt werden.
- Vereine und Verbände, unterstützt Selbsthilfe und weist den Eltern Wege dorthin! Familien brauchen den Austausch von Erfahrungen, sie brauchen verständlichen und lebensnahen Rat im Dschungel der Förder- und Hilfsangebote!
- Fachleute, redet mit uns! Wir brauchen Sie als Partner für individuelle Unterstützung und gelingende Entwicklungen in allen Lebensphasen unserer behinderten Kinder.
- Städte und Gemeinden, schafft Teilhabemöglichkeiten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung! Ihre Integration ist die schönste Form von Wertschätzung auch für uns Mütter.
- PolitikerInnen und Gesellschaft, beendet Sprachlosigkeit! Gebt auch Menschen mit schweren Sprachbarrieren die Möglichkeit, sich und ihre Bedürfnisse vor dem Gesetz und im Alltag mitzuteilen.
- PolitikerInnen, schafft gleiche Bedingungen in der Versorgung und Handhabung von Betreuungs- und Förderleistungen in den einzelnen Bundesländern sowie in Stadt und Land! Entlastet die Eltern behinderter Kinder von überflüssigen bürokratischen Abläufen. Fasst die Bescheide in allgemein verständlicher Sprache und in den gesetzlich vorgesehenen Fristen ab.
- PolitikerInnen, schafft Betreuungssicherheit und die Rahmenbedingungen, damit Mütter behinderter Kinder Beruf und Familie vereinbaren können. So schaffen Sie auch die Grundlage für die Mütter, im Alter finanziell abgesichert zu sein.
- Mütter seid gemeinsam stark! Nutzt die Möglichkeiten des Erfahrungsaustausches, knüpft Netzwerke, wendet Euch an Vereine vor Ort, um gemeinsam Eure Lebensbedingungen zu verbessern.
Dieses Manifest haben Mütter behinderter Kinder entwickelt, die sich in der Mütterwerkstatt des Bundesverbandes für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. (BVKM) engagieren. Wir laden ein, sich uns und unseren Ideen/Forderungen anzuschließen.
Nehmen Sie Kontakt zu uns auf oder wenden Sie sich an den Bundesverband, den Landesverband oder einen Verein vor Ort.
Januar 2009
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