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Der Angriff der Bioethik auf Leben und MenschenwürdeDer Traum vom perfekten Menschen, von einem leidens- und störungsfreien Leben ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. Doch noch nie schien seine Realisierung so greifbar nah zu sein wie heute. Die Biotechnologien feiern fast täglich neue Erfolge: Das menschliche Genom steht angeblich vor seiner vollständigen Entschlüsselung. Schon wird von "Therapiechancen für die schwerste genetische Geisteskrankheit Trisomie 21" geschwärmt. Die embryonale Stammzellenforschung verschärft die Debatte um den ethischen und rechtlichen Status des Embryos. Neue genetische Tests verweisen auf das hektische Bemühen der Wissenschaft, immer mehr und neue Verfahren zur Steuerung des Menschen bereitzuhalten.
Die Brüchigkeit ethischer Normen ist heute deutlicher denn je. Das Leitbild der neuen Bio-Medizin ist offenbar nicht die kritische Auseinandersetzung mit wissenschaftlich-technischer Machbarkeit. Die Leitidee ihrer Ethik ist vielmehr die moderierende Begleitung einer vernunftgeleiteten Auto-Evolution des Menschen.
Um all dies geht es in dem Buch. Es ist den Herausgebern wichtig, deutlich zu machen, daß die Gesellschaft auf die Gegenmodelle hingewiesen werden muß, die reduktionistische, nur durch ständige Wiederholung unter Beweis gestellte Modelle vom Menschsein widerlegen.
Ausgehend von den impulsgebenden Darstellungen aus theologischer (Bischof Franz Kamphaus, Limburg), medizinischer (Michaela Glöckler, Dornach) und juristischer (Heinz Kammeier, Münster) Sicht werden Probleme und Fragwürdigkeiten verdeutlicht, wie sie lebensbegleitend durch Bioethik vor Menschen in Not und ihren Angehörigen auftauchen: Pränataldiagnostik, Beratung und Früheuthanasie (Schindele, Waldschmidt, Wegener, Pap, Seifert), Pädagogik der Menschen mit schwersten Behinderungen (Fornefeld), Organtransplantation und Hirntodfiktion (Bavastro, Rixen, Neuer-Miebach), Menschen im Wachkoma (Dörner, Zieger, Bienstein), medizinische Forschung an einwilligungsunfähigen Menschen (Laade, Kludas, Neitzke, Freund), Euthanasie und Sterbebegleitung (Stark, Arntz, Bauer) mit einem Blick in die Niederlande (Jochemsen). Den Abschluß bilden Stellungnahmen aus dem Bereich der Politik (Liese, Wodarg).
Hier wurde ein Kompendium zusammengetragen, das noch auf lange Zeit Handreichung für jeden ist, der über Stand und Entwicklung der Diskussion informiert sein will oder muß.